Sonntag, 29. März 2015
Quer durch den roten Kontinent
Und endlich war es soweit. Wir waren bereit Perth zu verlassen und uns auf dem Weg quer durch das südliche menschenleere Outback Australiens zu machen. Die Reservekanister Benzin und Wasser waren aufgefüllt.Vor uns lag eine Strecke von über 3000 km. Dies mussten wir aufgrund unseres Besuches sogar in weniger als vier Tagen schaffen. Naja, der Weg war das Ziel und so ging es zu Klassikern wie „Downunder“ von Man at Work der australischen Sonne entgegen.



Regelmäßig hielten wir nach einer nicht selten zwölfstündigen Fahrt abends an Rest-areas an, um dort zu übernachten. Hier sollten wir die so bekannte und unbeschreiblich große Leere des roten Kontinentes zu spüren bekommen. Die Nullarbor-Plain lag vor uns. Der Name stammt vom lateinischen ab und bedeutet „keine Bäume“. Der Name passt, denn hunderte von Meilen ist das Land flach wie ein Meer und eintönig kahl, Gebüsche und vereinzelte Felsen, hier und da ein Strauch erzeugen das Bild der Leere. Es bildet ein Gebiet, dass viermal so groß ist wie Belgien, es dort aber Nichts gibt. In der zweiten Nacht schliefen wir an einer Stelle, von der aus im Umkreis von 400 Km keine Stadt, nicht einmal ein kleines Dorf waren. Eine einzelne Tankstelle ließ erkennen, dass es hier doch noch eine gewisse Zivilisation gab, zwar in kleinerem Umfang aber bei Geduld fand man sie. Das war teilweise schon ein merkwürdiges Gefühl. Einen anderen Abend hatten wir die Lehnen der Autositze schon nach hinten gestellt und die Schlafsäcke ausgerollt, mussten dann aber doch noch einmal umparken, weil wir genau auf dem Bau eines Stammes australischer Riesenameisen geparkt hatten. Ein weiteres Highlight waren die bekannten Straßen, die sich bis zum Horizont und noch gefühlt drei mal weiter erstrecken. Wir fuhren auf Australiens längster „geradeaus-Strecke“. Insgesamt 169 Km ohne die kleinste Andeutung einer Kurve. Teilweise verwandelten sich die Straßen auch in eine kurze Start- und Landebahn für den Royal Flying Doctor Service, Buschpiloten und Ärzte, die im Fall eines Notfalls bei einem Hilferuf zu dir ins Outback geflogen kommen und dir helfen, weil weit und breit kein Krankenhaus in der Nähe ist. Alles zusammen also stellt die Nullabourplain als größtes Sandsteinplateau einen tristen aber zugleich auch interessanten und aufregenden Ort dar. Trotzdem verlor dieses Areal keinesweges den Reiz, als wir zwei auf einer der endlos erscheinenden Strecken gen Osten im Schatten der letzten Sonnenstrahlen fuhren. Nach zweieinhalb Tagen und einem kurzen Umweg von 400 Km (in Australien ist das kurz) zu den Traumstränden von Esperance, erreichten wir schließlich Adellaide. Es hört sich zwar echt merkwürdig an, das man nur für einen Strand auf so einer weiten Tour noch mal 400 Km mehr in Kauf nimmt, um kurz ins Meer zu springen, aber es hat sich echt gelohnt.

Angekommen in Esperance suchten wir nach dem Twilightbeach, da dieser letztes Jahr zu dem schönsten Strand von Western Australia gewählt wurde. Nach etwas Klippenspringen und schwimmen setzten wir uns mit den noch nicht ganz trockenen Badehosen ins Auto und fuhren weiter.



Adelaide ist eine der kleineren Großstädte in Australien. Jedoch hat auch sie einen gewissen Reiz. Sie gilt als die Kultur- und Festivalstadt Australiens. Außerdem hat sie eine menge Museen, Universitäten, Theater und Parks. Unser Hostel hier war leider nicht so schön. Es war klein und nur die Lage mitten im Zentrum sollte sich bezahlt machen. Nach einem Tag Sightseeing warteten wir dann auf Becci und Jens am Flughafen. Insgesamt blieben wir vier noch drei Tage in Adelaide, um die Stadt etwas zu erkunden und um Bene's Geburtstag zu feiern. Einen Tag machten wir eine Tour durch verschiedene Museen und den anderen Tag ein gemütliches Picknick im Botanischen Garten. Im Anschluss sollte der langgeplante Roadtrip nun beginnen und das nächste Ziel war Melbourne vorbei an der Great Ocean Road mit den Zwölf Aposteln und der London Bridge.





Diese weltbekannte Straße vorbei am azurblauen Meer sollte uns verstehen lassen, warum so viele Menschen von ihr schwärmen.

Nach einem anstrengenden Tag fanden wir nun eine Rest-area mitten im Nirgendwo an einem kleinen See. Dort schlugen wir unsere Lager auf, kochten noch schnell eine Portion Pasta und legten uns schlafen.



Am nächsten Morgen half uns ein älteres australisches Pärchen mit kochendem Wasser aus, damit wir auch bloß unseren Guten-Morgen-und-Gute-Laune-Kaffee bekamen, bevor wir uns weiter auf die Reise machten. Nach ungefähr acht weiteren Stunden im Auto erreichten wir schließlich die fast vier Millionen Einwohnerstadt Melbourne, welche in Deutschland eigentlich fast ausschließlich für die Australien Open (naestes Foto)



und die Formel eins bekannt ist, aber unter den Backpackern den Ruf der schönsten Stadt Australiens vertritt. Die erste Nacht kamen wir in einem schönen Hostel unter, was man eher als Hotel bezeichnen konnte. Leider konnten wir dort nur eine Nacht bleiben. Das nächste Hostel, was wir wirklich erstmal finden mussten, weil wegen des am Wochenende stattfindenden St. Kilda-Festivals alles ausgebucht war, hielt einige Überraschungen für uns bereit. Es sollte sich als eines der schönsten Hostels unserer Zeit in Australien herausstellen. Auf dem Dach des Hostels befand sich eine Rooftopbar mit direkten Blick auf die wunderschöne Skyline Melbournes. Besonders nachts ergab dies im dunkeln einen spektakulären Blick auf die Wolkenkratzer.



Schon nach einigen Stunden mussten wir feststellen, dass sich der allgemeine Ruf Melbournes unter den Backpackern als schönste Stadt bestätigte. Wir wussten nicht warum aber irgendwie hatte uns das Flair dieser Stadt gepackt. Spätestens als wir in den Menschenmassen des bekannten St. Kilda Festivals (Szenestadtteil Melbournes direkt am Meer) standen, mochten wir diese Stadt.



Wir machten auch eine gratis Stadtführung mit, in der uns die gesamte Geschichte der Stadt ausführlich erklärt wurde.







Selbst die Lebensgeschichte des bekannten Verbrechers Ned Kelly, der auch oft als der australische Robin Hood bezeichnet wird und in Melbourne gehängt wurde, wurde hier thematisiert. Nach dreieinhalb Stunden und viel Allgemeinwissen mehr, wurde die Stadttour beendet. Wir ließen den Tag mit einer Dominospizza in einem Park ausklingen und setzten uns abends wieder auf das Dach unseres Hostels. Am letzten Morgen gingen wir noch auf einen bekannten Markt, der sich fast direkt hinter dem Hostel befand und kauften viel günstiges Obst ein, um auf unserer Fahrt nach Sydney nicht zu verhungern.

An dieser Stelle können wir ja mal unsere Blogleser fragen, welche Stadt die Hauptstadt Australiens ist? Ist es Melbourne oder Sydney?

In vielen Fällen würde die Antwort Sydney heißen, weil sie eindeutig mit dem bekannten Bild des Sydney Opera House und der Harbourbridge die populärste Stadt Australiens ist.



Jedoch ist es keine der beiden Städte. Seit dem Bestehen beider Städte gab es zwischen ihnen immer einen Konkurrenzkampf, welche die Hauptstadt des gesamten Kontinentes wird. Da man sich nicht einig wurde, beschloss man, das unbedeutende kleine Canberra als Hauptstadt umzufunktionieren. Als dies entschieden wurde, stellte Canberra eine Art kleine Ortschaft dar. Jedoch ist es mittlerweile nicht so viel anders. Natürlich ist diese Stadt aufgrund ihres Titels gewachsen, aber es war für uns und die meisten Backpacker so uninteressant, dass man an dieser Hauptstadt einfach vorbeifährt und sich auf Sydney freut. Nach einem kurzen Strandaufenthalt in einem kleinen Ort auf dem Weg fuhren wir weiter und kamen zu der bis jetzt schönsten rest-area des gesamten Aufenthaltes. Diese sich ca. acht Auto-Studen vor Sydney befindliche Rest-area lag auf einem Hügel direkt über einer Bucht, in der zu bestimmten Jahreszeiten Wale schwimmen. Leider sahen wir keine Wale aber mit dem Geräusch des Aufeinandertreffens der Wellen auf die Bucht einzuschlafen und dabei den Sternenhimmel betrachten zu können, war schon etwas ganz besonderes.

Nach einer mehrtägigen Fahrt erreichten wir Sydney. Alle waren sehr gespannt, was uns dort erwartete. Genau wie in Melbourne machten wir nun auch hier die Gratis-Stadtführung durch die Stadt, welche ebenfalls dreieinhalb Stunden ging.







Dadurch hatten wir erstmal einen guten Überblick über die Stadt gewonnen und konnten die nächsten Tage alles auf eigene Faust erkunden. Ziel war die bekannte Oper und eine Überquerung der Harbourbridge. Zu dieser Zeit fand auch das Neujahrsfest der Chinesen statt. Für alle die es nicht wissen, es ist gerade Jahr des Schafes. Fragt uns aber nicht, was das bedeutet. In Australien gibt es sehr viele Immigranten asiatischen Ursprunges und aus diesem Grund werden Feste wie dieses sehr groß gefeiert. Am Abend gingen wir dann zu der Harbourbridge, da dort Nachbauten der Terracotta-Armee der Chinesen ausgestellt waren. Die Soldaten waren aus Leinentüchern gefertigt und wurden in allen möglichen Farben beleuchtet. Im Hintergrund erstrahlte die weiße Silluette der Oper und über uns beleuchteten Umrisse der riesigen Harbourbridge.



Alles in allem ergab das einen wirklich sehr schönen Anblick. Den darauffolgenden Tag verbrachten wir noch einmal an dem Kult-Strand Sydneys, dem Bondi-Beach und schauten Surfern bei ihren Kunsstuecken zu nachdem wir uns selber etwas im Wasser abgekuehlt hatten.



Nach einem geselligen Abend in einem Pub ließen wir auch unseren letzten Abend in Sydney ausklingen und informierten uns über den Weg zu unserem nächsten Ziel, dem Nationalpark der Blue Mountains, bevor es zu unserem letzten Ziel Brisbane weiterging.



Die Blue Mountains sind eine Hügelkette, die auch schon von den Aborigines als blaue Hügel bezeichnet wurde. Grund dafür sind die vielen Eukalyptusbäume, die im natürlichen Prozess einen blauen Dunst erzeugen. Da die Blue Mountains von diesen Bäumen überwuchert sind, ergibt der Dunst eine blaue Färbung über dem gesamten Gebirge. Um einen Einblick über die Natur zu bekommen, machten wir eine Wanderung über einen Pass zu einem Wasserfall.









Diese war jedoch nicht allzu lang, weil wir noch an diesem Tag weiter wollten. Es reichte aber, um sensationelle Eindrücke zu gewinnen und atemberaubende Ausblicke genießen zu können. Eigentlich dachten wir, dass das das Highlight des Tages sein sollte, jedoch kam es insgeheim für jeden von uns noch zu einem besseren Erlebnis. Auf der anschließenden Suche nach einem Schlafplatz kamen wir an einen kleinen Strandabschnitt, der uns von unserer App Wikicamps Australien empfohlen wurde. Mit der Hoffnung dort eine Dusche zu bekommen und einen kleinen Platz zu finden, wo wir unser Zelt aufstellen konnten, wurden wir leider enttäuscht. Die beschriebene Dusche war ein abgeschnittener Gartenschlauch der am Strand hing und wo man kein Shampoo benutzen durfte, weil es keinen Abfluss gab und Campen war generell verboten.
Eigentlich waren wir etwas sauer über die falsche Beschreibung. Dann sprangen wir aber erstmal ins Meer. Als wir gerade im Meer planschten und die Temperaturen genossen, ging vor uns die Orange-rote-Sonne unter.



Um es nicht noch klischeehafter zu machen, tauchten auf einem Hügel in der Strandnähe aufeinmal ein paar Kängurus auf, die anscheinend noch mehr die untergehende Sonne genossen als wir. Was für ein Erlebnis. Geschlafen haben wir dann auf einer Raststätte, die wir in dreißig Km entfernung fanden. Am nächsten Tag erreichten wir Brisbane.
Brisbane ist die einzige Großstadt, die nicht am Meer liegt. Aus diese Grund hat die Stadt Brisbane eine schoene kuenstliche Lagune bauen lassen, in der man gratis schwimmen gehen kann.



Jedoch liegt sie am Anfang der australischen Tropenzone. Das war dann auch der Grund für den einwöchigen Regen. Wir nutzten die Zeit um uns Museen über die Geschichte Australiens, die Gallery of Modern Art und die State Library anzugucken.



Im Anschluss daran begaben wir uns zu dem nächsten Supermarkt und kauften für unser Essen ein. Als es am nächsten Tag noch schlimmer wurde mit dem Wetter, nutzen wir den Tag um durch alle möglichen Läden Brisbanes zu gehen und am abend gingen wir ins Kino zum Film American Sniper. Am darauffolgenden Tag fuhren wir alle zusammen in den Lone Pine Koalapark, wo Lukes Wunsch, endlich einen Koala halten zu duerfen, in Erfuellung gehen sollte. Man konnte hier Kaengurus fuettern, Dingos streicheln und generell alle Tiere Australiens sehen.









Luke und Bene bekamen am nächsten Tag einen Job für die kommenden zwei Wochen, sodass sich die Gruppe leider nur noch abends sehen konnte. Wir machten aber das Beste daraus und hatten noch einige schöne Tage bis Jens uns verließ. Zum Abschied gab es dann nocheinmal Jens Lieblings-Dominos-Pizza.



Becci blieb ja mit uns in Brisbane bis unsere nächsten Gäste Kathi und Manou kamen.

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